Jiggen - Wie, wo, was und wann?

Wir alle kennen die Aufnahmen von bis in das Handteil gebogenen, extrem kurzen Ruten und kreischende Rollen. Jiggen, ein Trend welcher unter anderem die Asiaten zu einem wahren Hype unter den Salzwasser Sportanglern gebracht hat, ist gefragt wie nie zuvor. In unseren Breitengraden ist diese Art der Fischerei aber nur wenig bekannt. Der ein oder andere spielte vielleicht schon einmal mit dem Gedanken im Urlaub diese spektakuläre Fischerei selbst zu versuchen. Doch findet man nur wenige Informationen über das Jiggen in den deutschsprachigen Medien.


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Im Grunde ist Jiggen gar nicht so schwer wie es den Anschein haben mag. Generell kann jeder sein Glück beim Jiggen erfolgreich auf die Probe stellen. Die Grundvoraussetzungen sind lediglich ein paar Grundkenntnisse von Nöten um nicht nur im tropischen Salzwasser erfolgreich zu sein. Denn eines ist sicher. Was im tropischen Salzwasser funktioniert, ist auch im kalten Norden erfolgreich!


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Der Unterschied zwischen Speed- und Powerjiggen

Immer wieder liest man vom Speed- oder Powerjiggen. Doch was sind eigentlich die Unterschiede? Gibt es überhaupt welche oder sind beide Begriffe ein Synonym für das Jiggen? Die Begriffe Speed- und Powerjiggen unterscheiden die zwei wesentlichen Führungsweisen beim Jiggen. Je nach Begebenheiten und Zielfisch kommen unterschiedliche Taktiken des Jiggens zum Einsatz.

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Speedjiggen ist die bekannteste Führungsweise beim Jiggen. Dabei werden vor allem leichte und schlanke Jiggs in geringen Tiefen geführt. Das Gewicht der Jiggs ist selten höher als 350 Gramm. Nur so können die Jiggs noch schnell genug und mit einem gemäßigten Kraftaufwand geführt werden. Im Normalfall wird der Jig bis auf den Grund sinken gelassen. Je nach Strömung und Tiefe greift man auf unterschiedliche Gewichte zurück. Bei tieferen Gewässern ebenso wie bei stärkeren Unterströmungen sollte das Gewicht erhöht werden. Der Jig wird im Idealfall unter dem Boot oder einem nicht zu großen Winkel zum Boot gefischt. jiggen10
Ist der Jig am Grund oder der gewünschten Tiefe angekommen, wird dieser mit einer schnellen Führungsweise, dem Speedjiggen, mit Hilfe der Rolle und der Rute nach oben gejiggt. Die Rute wird dabei unter dem Arm geklemmt. In der Regel wird der Jig nicht bis zur Oberfläche geführt. Über das Echolot kann die Tiefe der Zielfische genau bestimmt werden. Der Jig wird dabei immer zwischen zehn bis zwanzig Meter über der Zielfischtiefe gejiggt. Anschließend wird der Jig wieder abgelassen. Das Speedjiggen ist besonders auf schnelle Räuber wie Thunfisch oder Giant Trevally erfolgreich. Aber auch Yellowfin Kingfish oder verschiedene Snapper stehen auf die schnelle Führungsweise. jiggen28

Das Powerjiggen kommt immer dann zum Einsatz, wenn mit Gewichten von mehr als 350 Gramm gefischt wird. Durch das hohe Eigengewicht des Jiggs ist eine schnelle Führungsweise kaum noch möglich. Zu groß ist der auf die Rute wirkende Druck. Das Powerjiggen erfordert daher eine besondere Führungsweise. Wie auch beim Speedjiggen wird der Jig auf die gewollte Zielfischtiefe abgelassen. Dabei muss die Schnur mit der Hand abgebremst werden. Ein gelegentliches Anhalten des Jiggs verhindert ein zu weites Abdriften in der Ablassphase. Ist der Jig in der gewünschten Tiefe angelangt, wird die Rute in den Gimbal gesteckt und mit schnellen, großen Jigbewegungen geführt. Der Jig taumelt in der Zwischenphase nach dem Pull und dem Schnuraufholen einige Meter ab. Die meisten Bisse kommen in genau dieser Taumelphase des Jigs.

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Die Qual der Wahl

Jiggs gibt es inzwischen in allen möglichen Formen, Farben und Größen. Doch Jig ist nicht gleich Jig. Die Form entscheidet unter Anderem das Einsatzgebiet sowie die Zielfische und die Führungsweise der Jigs. Der Hauptunterschied zwischen den Jigs ist mit Sicherheit die Jigform. Schlanke, langgezogene Jigs mit der Hauptgewichtsverteilung am unteren Ende, kommen vor allem bei großen Tiefen und starken Unterströmungen zum Einsatz. Diese Körperform ermöglicht eine geringe Drift und somit eine bessere Kontrolle des Jigs. Die Länge der Jigs ist dabei von dem Gewicht abhängig. Je höher das Gewicht dieser schlanken Jigs, desto länger sind diese. Die schlanke Form der Jigs ermöglicht ein schnelles Führen. Meist sind schlanke Jigformen auch als Speed-Jigs auf dem Markt zu haben.


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Breite Jigkörper mit gleichmäßiger Gewichtsverteilung kommen bei geringen Strömungen und tieferen Gewässern zum Einsatz. Die breite Körperform ermöglicht nur bei Gewichten unter 300 Gramm eine Speedjig-Führungsweise. Die schweren Gewichte lassen sich kaum noch richtig Speedjiggen. Daher sind breite Körperformen vor allem zum Powerjiggen geeignet. Der Vorteil der breiten Jigform ist das Spiel des Jiggs in der Taumelphase. Bedingt durch die breiten Flanken hat der Jig einen relativ hohen Wasserwiederstand welcher für die gute Eigendynamik in der Sinkphase entscheidend ist.

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Doch welche Jigs kommen eigentlich bei welchen Zielfischen zum Einsatz. Immer wenn die Zielfische grundnah anzutreffen sind, wie Amberjack, Grouper oder Snapper, sollten Jigs verwendet werden welche ohne große Drift, grundnah gefischt werden können. Grundnahe fische reagieren am besten auf Jigs welche powergejiggt werden. So verbleiben die Jigs länger im Sichtfeld der Räuber. Grundnahes Powerjiggen ist daher am besten für Amberjack, Grouper und Snapper geeignet. Weiter als dreißig Meter sollte der Jig nicht über Grund gefischt werden.

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Fischt man hingegen auf Mittelwasserfische wie Thunfische oder Giant Trevallies kommen kleinere und schlankere Jigs zum Einsatz. Gerade Thunfische stehen auf kleine, speedgejiggte Köder im Mittelwasser. Das Echolot zeigt dabei die Tiefe der Fische perfekt an. Die Jigs werden speziell beim Fischen auf Thunfische durch den Schwarm etwa 20 Meter tiefer als der Schwarm abgelassen. Bereits in der Absinkphase kann es zu Bissen kommen. Bleibt die Schnur während des Absinkens unerwartet stehen sollte sofort Fühlung aufgenommen und angeschlagen werden. Kommt der Jig unter den Schwarm wird dieser mit sehr schnellen Bewegungen durch den Scharm gejiggt. Die Bisse kommen meist direkt im oder einige Meter über dem Schwarm. Da Thunfische sehr schnelle Räuber sind kann der Jig ruhig einige Meter über der eigentlichen Tiefe des Schwarms gejiggt werden.

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Giant Trevallies sind meist über flacheren Riffabbrüchen zu finden. Auch sie stehen auf schnell geführte Köder. Die Größe der Jigs ist hierbei aber nicht so ausschlaggebend wie beim Fischen auf Thunfisch. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass GTs so ziemlich alle Jiggrößen und Formen attackieren.

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Die Kunst der richtigen Drift

Ganz entscheidend für den Erfolg beim Jiggen ist die richtige Drift. Oft stehen die Fischschwärme direkt an Abbruch- und Riffkanten. An solchen Hot Spots gilt es zunächst die Zielfische zu finden. Ein gutes Echolot ist daher unverzichtbar beim Jiggen. Ebenfalls sollte ein GPS Gerät an Bord sein. Hat man einen Fischschwarm lokalisiert gilt es die aktuelle Drift zu finden. Dabei gibt es eine kurze Leerdrift welche mit dem GPS Gerät geplottet wird. Anhand der Driftlinie kann später das Boot perfekt an die Kanten gelegt werden. Die Kunst besteht darin die Drift so zu legen, dass sich während des Jiggens die Fische im direkten Radius unter dem Boot befinden. Zudem ist eine direkte Kommunikation zwischen Kapitän und Angler unumgänglich. Die Tiefen in denen sich die Fische befinden als auch der Beginn einer jeden Drift sollte immer angesagt werden. Nur so ist ein gezieltes Fischen möglich.


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Wenn die Bremse glüht

Hat man alles richtig gemacht kommt der wirklich anstrengende Part beim Jiggen. Der Biss und der Drill. Ein Biss beim Jiggen äußert sich meist in einem abrupten „Hängenbleiben“ mit sofortiger meterlanger, pfeilschneller Flucht und kreischenden Bremsen. Die Bremseinstellung beim Jiggen sollte immer der Schnur angepasst, sehr straff erfolgen. Zu hoch ist die Gefahr beim Kontakt mit einem großen Fisch gespoolt zu werden. In der ersten Phase des Drills gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren und den Fisch die erste Flucht ermöglichen. Bei Mittelwasserfischen ist die Gefahr eines Schnurbruchs am Riff so gut wie Null. Große Thunfische entwickeln in der ersten Flucht eine enorme Geschwindigkeit. Daher sollte niemals an der Bremseinstellung während der Flucht gespielt oder die Spule der Rolle mit der Hand gebremst werden. Ansonsten geht der Fisch mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren.


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Bei grundnahen Fischen wie Amberjack oder Grouper sollte hingegen direkt nach dem Biss sofort dagegen gehalten werden. Die Gefahr, dass der Fisch das Riff erreicht und die Schnur sprengen kann, ist zu groß. Daher gilt es um alles in der Welt den Fisch in der Anfangsphase des Drills einige Meter vom Grund wegzubekommen. Befindet sich der Fisch im Mittelwasser kann entspannter gedrillt werden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass bei einem zu lange andauernden Drill die Wahrscheinlichkeit einer Haiattacke zunehmend steigt. Daher sollte versucht werden den Fisch so zügig wie Möglich zu landen.

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Materialschlacht

Jiggen stellt höchste Anforderungen an das Gerät. Da nicht nur im eigentlichen Drill, sondern auch beim Jiggen selbst, hohe Belastungen auf das Material wirken, eignen sich nur hochwertigste Komponenten dauerhaft für diese Fischerei. Beim Jiggen kommen Stationärrollen sowie Multirollen zum Einsatz. Am gängigsten sind allerdings größere Stationärrollen mit einer hohen Übersetzung. Die wohl am meisten beim Jiggen eingesetzten Stationärrollen sind die Shimano Stella 10000 – 20000 sowie die Daiwa Saltiga Z und Saltiga Dogfight. Diese Rollen sind den hohen Belastungen gewachsen. Neben der Robustheit sollten die Rollen auch genügend Schnur fassen können. Da oft bei der ersten Flucht die ersten 100 bis 200 Meter Schnur im ersten Run von der Rolle fliegen, sollte genügend Reserven vorhanden sein.


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Normalerweise sollten 600 Meter 0,33er Geflochtene zum Jiggen ausreichen. Die Geflochtene sollte dabei eine Mehrfarbigkeit besitzen. Die meisten Schnüre haben Färbungen im 10 Meter oder 10 Fußabstand. So kann beim Jiggen immer die genaue Tiefe ermittelt werden. Die Tragkraftwerte der Schnüre sind selten höher als 80 Pfund. Mit steigender Dicke der Schnurdurchmesser wächst der Strömungsdruck auf die Schnur. Zu dicke Schnurdurchmesser erzeugen eine zu große Drift. Schnüre zwischen 0.28 und 0.33mm Durchmesser haben sich als ideal herausgestellt.

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Inzwischen gibt es diverse Ruten zum Jiggen auf dem Markt zu kaufen. Dabei richtet sich die Blankstärke nach den Schnurklassen. Je nachdem welche Jiggs zum Einsatz kommen werden Ruten zwischen PE 4 und PE 12 eingesetzt. Zum Powerjiggen in großen Tiefen mit schweren Jiggs sind Ruten ab PE 6 geeignet. Im flachen Wasser und leichten Jiggewichten kommen Ruten bis zu PE 6 zum Einsatz. Auffällig bei allen Jigruten aus dem hochpreisigen Segment ist die extreme Wanddicke der Blanks. Dabei gibt es Blanks mit einem reinen Kohlefaseranteil und Mischblanks mit einem gewissen Anteil an Glas. Der Vorteil von Jiggingruten mit einem geringen Glasanteil ist die Robustheit und hohe Belastbarkeit im Extrembereich. Wir setzen daher Ruten mit einem gewissen Glasanteil immer dann ein, wenn mit hohen Jiggewichten gefischt, oder in der ersten Drillphase extreme Kräfte wirken.

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Die Jiggingruten sollten zum Speed- und Powerjiggen nicht länger als 165cm sein. Längere Ruten erzeugen einen zu großen Hebel und lassen sich auf Dauer nicht mehr ermüdungsfrei Fischen. Je kürzer daher der Rutenblank, desto besser die Kontrolle über den Jig und desto ermüdungsfreier das Fischen. Die meisten Ruten sind einteilig.

 

Bilder: Andreas Knausenberger; Oliver Jungermann; Martin Joswig

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