Auf Biegen und Brechen - Cubera Snapper auf Kuba

Wer an die idyllische Karibikinsel Kuba denkt, dem werden zuerst einmal Cohibas, Rum und alte Autos einfallen. Ich hingegen denke sofort an die brachialen Drills der Cubera Snapper und Grouper! Seit etlichen Jahren hat sich in Kuba eine der besten Reviere zum Popperfischen auf Cubera Snapper, Grouper und King Makerels entwickelt. Die Bestände sind riesig und die Fische wachsen danke des geringen Befischungsdrucks auf riesige Größen heran. Was mich allerdings vor Ort erwarten solle, realisierte ich erst im Flieger auf den Weg zurück nach Deutschland.

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Revier

Cubera Snapper gehören zu der Familie der Snapper und leben auf Kuba in den vorgelagerten Korallenriffen in zwischen sechs und 18 Metern Tiefe. Cuberas sind Raubfische und ab einer gewissen Größe die Herrscher der Korallenriffe. Kaum ein anderer Fisch bringt auf seine Körpergröße so viel Kraft im Drill ans Tageslicht wie der Cubera Snapper. Die harten Bisse und die brachialen Fluchten machen das Popperfischen auf diesen zähnestarrenden Fisch so interessant.


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Unterhält man sich mit den einheimischen Guides vor Ort, so mag man den Geschichten um die Cubera Snapper, die vielen gebrochenen  Angelruten und die vielen gesprengten Schnüre zuerst keinen Glauben schenken, bis der eigene Popper das erste Mal unter einem riesigen Schwall an der Oberfläche verschwindet und die Rute zum Zerbersten gebogen ist. Erst dann realisiert man, mit was man es an der Rute zu tun hat!

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Das Revier der Cuberas befindet sich an einem der Hauptinsel Cayo Santa Maria vorgelagerten Korallenriff. Dieses ist nach kürzerer Fahrtzeit schnell erreicht. Das Riff hat im Durchschnitt eine Tiefe von sechs bis achtzehn Metern. Die Strömung an der Riffkante ist sehr stark und zieht von Ost nach West an der Küste entlang. Dies ermöglicht ein tolles Driftfischen vom Boot aus. So kann kilometerlang ohne Stopp gefischt werden. Die Vorgehensweise ist relativ simpel. Gefischt wird immer schräg vor das Boot und leicht gegen die Wellen und die Strömung. So lassen sich die großen Popper am besten führen. Die meisten Bisse erfolgen am Übergang vom flacheren zum tiefen Wasser.

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Auf den Rhythmus kommt es an!

Die Cubera Snapper sind sehr faule Gesellen. In ihren Höhlen sitzend warten sie auf vorbeischwimmende Futterfische. Die kann man beim Popperfischen zu seinen Gunsten nutzen. Je nachdem wie schnell und mit welchem Rhythmus die Köder geführt werden, kann ziemlich genau auf die im Riff lebenden Räuber gefischt werden. Eine schnelle Köderführung mit keinerlei Pausen ist für das Fischen auf Cubera Snapper weniger geeignet. Diese Köderführung eignet sich besonders gut zum Fischen auf King Makerels und Barrakudas. Die Cubera Snapper mögen eine sehr langsame Führungsweise des Poppers. Die meisten Fische fing ich als ich den Popper zwei drei mal heftig splashte und ihn dann eine kurze Zeit auf der Stelle stehen ließ. Das Pop-Pop-Pause, Pop-Pop-Pause schien eine unheimliche Anziehung auf die Cuberas zu haben. Das Gefühl, wenn plötzlich ein braun-roter Schatten hinter dem Popper auftaucht, ist unbeschreiblich. Oft schwimmen die Snapper dem Popper ein paar Meter nach.

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Wer hier die Ruhe bewahrt, gewinnt. Die Attacken kommen meistens in der Ruhephase des Poppers. Sie sind so brachial, dass einem das Ende der Rute mit einem harten Schlag in die Lenden gedrückt wird. Meistens entsteht so ein Druck im Drill, dass der Angler von einem zweiten Angler im Boot festgehalten werden muss, damit dieser bei stärkerem Seegang nicht über Bord geht denn sofort nach dem Biss flüchtet der Cubera fast senkrecht zurück zu den Korallen. Wie bereits erwähnt, leben die Cuberas in den natürlichen Unterständen eines Korallenriffs. Dies stellt für den Angler auf Kuba die größte Herausforderung dar. Die scharfen Kanten der Korallen machen kurzen Prozess mit der Hauptschnur, wenn die erste Flucht nicht verhindert werden kann.

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Die Bremse ist in jedem Fall komplett zu! Und komplett zu heißt volle Bremskraft des jeweiligen Rollentyps. Selbst bei einer Bremskraft von 15 Kilo, wie sie beispielsweise die Stella 10000 aufweist, muss um den Fisch zu stoppen noch mit der Hand die Spule gestoppt werden! Die erste Flucht ist daher der kritischste Punkt im Drill. Gelingt es einem den Fisch zu stoppen sollte er auf Biegen und Brechen daran gehindert werden zu den Korallen zu gelangen. Befindet sich der Fisch im Mittelwasser, ist der kritischste Punkt überwunden. Je nachdem in welcher Entfernung zum Boot der Fisch den Popper nimmt, desto schwieriger wird es den Fisch vor der Flucht in die Korallen zu hindern. Bei weiten Entfernungen sollte zuerst versucht werden so schnell wir möglich die Schnurlänge zu reduzieren. Dies gelingt einem am besten mit einer hohen Übersetzung der Stationärrolle. Den Drill gewinnt man nur, wenn alles gegeben wird. Die Drilldauer ist daher meist sehr kurz, dafür aber mit einer unbeschreiblichen Intensität. Es gibt nicht viele Fischarten, welche einem so viel abverlangen wie die Cubera Snapper. Gern gönnt man sich nach solch einem Drill eine viertelstündige Pause, bevor man weiterfischt.


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Material

Popperfischen auf Kuba verlangt dem Material einiges ab. Große Stationärrollen wie die Shimano Stella 10000 oder die Daiwa Saltiga sind ein unbedingtes muss bei der Fischerei auf Cubera Snapper. Nur diese hochwertigen Rollen bieten eine hoch genügend Bremskraft, um die Fische halten zu können. Da im Drill unheimliche Kräfte entstehen können, wird beim Popperfischen mit geflochtenen Schnüren gefischt. Schnurdurchmesser zwischen 0.25mm und 0.35mm eignen sich besonders gut. Wichtig bei der Schnurwahl ist die Abriebfestigkeit der Schnur. Je abriebfester die Schnur ist, desto höher sind die Chancen einen gehakten Fisch trotz Riffkontakt landen zu können.

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Da die Fische in der Regel nach dem Biss sofort versuchen zurück in das Riff zu gelangen sollten spezielle Vorfächer als Schlagschnüre verwendet werden. Am besten eignet sich dazu ein Hardmono mit 100 Pfund Tragkraft. Dieses wird doppelt gedreht und in einer länge von ca. drei bis vier Metern an die Hauptschnur geknüpft. Entsteht nun während dem Drill Kontakt zu den Korallen, so verhindert das abriebfeste Vorfach ein Reißen der Schnur und den Verlust des Fisches. Am Ende der Schlagschnur befindet sich ein Stahlvorfach was das Durchbeißen verhindern soll. Es ist daher unbedingt darauf zu achten, dass eine monofile Schlagschnur mit Stahlvorfach beim Fischen verwendet wird! Der Fischverlust bei kurzen Vorfächern ist sonst zu hoch.

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Da in der Regel beim Popperfischen auf die Cuberas mit geschlossener Bremse gefischt wird, kommt man um eine äußerst robuste Rute nicht herum. Wer glaubt mit seinem normalen Spinnruten aus dem Süßwasser irgendetwas reißen zu können, der irrt. Auch ich musste in den ersten Tagen einiges an Lehrgeld zahlen. Meine Wels-Spinnruten waren den Belastungen einfach nicht gewachsen und so verabschiedeten sich bereit bei der ersten Ausfahrt zwei meiner Ruten. Ruten ab einem Wurfgewicht von 500 Gramm sind für das Fischen auf Cubera Snapper geeignet. Leichtere Ruten sind nicht zu empfehlen. Die Ruten sollten über ein hartes Rückrad und eine harte Spitze verfügen. Nur so lassen sich die Popper bei Seegang richtig führen und die Snapper bei ihren Fluchten bremsen.

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Beim Fischen vom kleinen Inshore-Boot haben sich Ruten mit einer Maximallänge von höchstens 250cm Länge als ideal herausgestellt. Die Blanks sollten auch in den extremeren Bereichen genügend Kraftreserven haben, um die Fluchten der Fische abfedern zu können. Da durch die schweren Köder und die Schlagschnur ein großer Druck auf die Beringung wirkt, sollten nur Ruten mit sehr großen Ringen gefischt werden. Am besten eignen sich Ringe ohne spezielle Keramikeinlagen. Diese werden gern beim Werfen der Schlagschnurverbindung durch die Ringe beschädigt und können brechen. Spezielle Salzwasser-Popperruten sind für diese harte Fischerei in der Regel bestens geeignet. Die Guides verfügen aber vor Ort über geeignete Ruten, welche geliehen werden können.


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Popper gibt es inzwischen in allen verschiedenen Größen, Formen und Farben. Wer gezielt auf Cubera Snapper fischen möchte, der sollte zu Modellen mit einem großen Kopf und einem wuchtigen Körper greifen. Die Popper „GT-Monster“ der Firma Technic, sowie die Popper der Firma Yuzuri haben sich als besonders fängiger erwiesen. Die ca. 20 Zentimeter langen Popper lassen sich durch ihr hohes Eigengewicht sehr weit werfen. Zudem erzeugen die Popper mit ihrem großen Kopf einen enormen Splash und laute Plopp-Geräusche. Diese sind unabdingbar, will man einen der Cuberas aus seinem Unterstand locken. Doch ohne ein vorheriges „frisieren“ der Köder sollte man auf Cayo Santa Maria keinen Köder ins Wasser werfen. Die Popperfischerei erfordert es, alle Sprengringe und Haken an den Ködern auszutauschen. Nur äußerst stabile Drillinge wie beispielsweise die ST41 von Owner konnten sich im Drill bewähren. Selbst diese Drillinge mussten nach einigen Fischen ausgetauscht werden. Es ist daher empfehlenswert im Vorfeld genügend Ersatzhaken mit in den Koffer zu packen.

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Ideale Voraussetzungen

Der Marina-Hafen auf Cayo Santa Maria ist die perfekte Ausgangsposition um einen der roten Cuberas zu fangen. Die 16 Fuß Sea Chaser Boote sind mit 60 PS motorisiert und bringen einen schnell an die vorgelagerten Riffe. Die perfekt englisch sprechenden Guides gehören zu den besten des Landes. Seit Jahren schon arbeiten sie schon auf Cayo Santa Maria und kennen die Riffe wie kaum ein anderer. Wer über kein geeignetes Material zum Fischen auf Cubera Snapper verfügt, kann gern auf das Gerät der Guides zurückgreifen. Dieses befindet sich im besten Zustand und ist auf die Brachialfischerei bestens angestimmt.


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Kuba ein Traum für Sportfischer

Kuba hat aber noch weitaus mehr zu bieten. Die unglaubliche Artenvielfalt ermöglicht es, beim Spinnfischen auf Cayo Santa Maria, weitere Sportfische in kapitalen Größen zu fangen. Neben den Cuberas werden kapitale King Makerels, Tarpone, Mangrove Snapper, Barracudas und viele Spezies mehr gefangen. In Trinidat, im Süden Kubas, werden zudem kapitale Gelbflossen Thune, Sailfisch, Marlin, Doraden, Haie und andere Big Game Sportfische beim Trolling gefangen. Wer hingegen im Landesinneren fischen möchte, der findet beste Schwarzbarschgewässer und tolle Flüsse vor. Neben den oben genannten Sportfischen, ist auf Cuba das Fliegenfischen auf Bonefish, Tarpon und Permit immer beliebter geworden. Die riesigen Flats im Norden und Süden des Landes bieten ideale Voraussetzungen für das Salzwasserfliegenfischen auf diese kampfstarken Sportfische wie Bonefish oder Permit. In der Regel wird auf Cayo Santa Maria Catch & Release betrieben. Die Guides legen daher besonderen Wert auf einen angemessenen Umgang mit der Natur und den Fischen.

 

Bilder: Andreas Knausenberger; Martin Joswig